Enthält alkoholfreier Wein Histamin?

Alkoholfreier Rotwein Histamin
Alkoholfreier Rotwein kann bis zu vier Mal so viel Histamin enthalten wie alkoholfreier Weißwein. (Foto: Vinotecarium - Pixabay)

Du leidest an einer Histaminintoleranz? Dann wird dir wahrscheinlich geraten, dass du besser auf alkoholische Getränke verzichten solltest. Das heißt aber nicht, dass du keinen Wein mehr genießen kannst.

Alkoholfreier Wein enthält nämlich nur wenig Histamin und ist teilweise sogar nahezu histaminfrei.

Pauschalisieren lässt sich diese Aussage aber leider nicht. Schauen wir uns die Sache also einmal genauer an.

Ist alkoholfreier Wein immer histaminfrei?

Alkoholfreier Wein ist nicht immer histaminfrei. In der Regel ist der Histamingehalt von alkoholfreien Weinen aber niedriger als der von konventionellen Weinen mit Alkohol.

Auch hier gibt es aber, wie bei konventionellem Wein auch, Unterschiede zwischen den verschiedenen Sorten. So enthält alkoholfreier Rotwein oft drei bis vier Mal so viel Histamin wie alkoholfreier Weißwein.

Auch die Herstellung und Lagerung haben einen Einfluss auf den finalen Histaminwert im alkoholfreien Wein.

Was ist überhaupt so schlimm an Histamin im Wein?

Die gute Nachricht ist: Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet an einer Histamin-Unverträglichkeit. Frauen machen hiervon statistisch betrachtet einen Anteil von 80% aus.

Bei einer Histamin-Unverträglichkeit handelt es sich nicht um eine Allergie, sondern um eine Unverträglichkeit, die unter Umständen allergische Reaktionen auslösen kann.

Histamin wird vom menschlichen Körper selbst hergestellt und steuert einige wichtige Funktionen in unserem Organismus. Es regelt beispielsweise den Schlaf-Wach-Rhythmus und wirkt als Botenstoff bei allergischen Reaktionen und Entzündungsreaktionen mit.

Gesundheitlich problematisch wird Histamin erst, wenn man an einer Unverträglichkeit leidet und zu viel davon in den Körper gelangt. Menschen mit einer Histamin-Unverträglichkeit fehlt nämlich das Enzym „Diaminoxidase“ (DAO), weshalb sie das überschüssige Histamin nicht mehr so gut abbauen können.

Wenn du also weißt, dass du an einer Histamin-Unverträglichkeit leidest, solltest du es vermeiden, eine hohe Menge zusätzliches Histamin zu dir zu nehmen.

Hohe Dosen Histamin sind beispielsweise in Salami, Schinken, Hartkäse und leider auch in Wein enthalten.

Wie entsteht Histamin in alkoholfreiem Wein?

Der Großteil des Histamins entsteht bei der Herstellung des Weins. Foto: 6wings – Pixabay

Histamine entstehen bei der Fermentation und Vergärung von Lebensmitteln. Weil Weintrauben für die Weinherstellung vergoren werden, entstehen während des Gärprozesses natürlicherweise Histamine.

Einige Weine werden über die alkoholische Gärung hinaus auch noch einer sogenannten „malolaktischen Gärung“ unterzogen. Hierbei wird ein Teil der Säure im Wein abgebaut, um ihn bekömmlicher zu machen. Bei diesem Prozess kann es ebenfalls zu einem Anstieg des Histamingehaltes im Wein kommen.

Die malolaktische Gärung wird deutlich häufiger bei Rotweinen als bei Weißweinen eingesetzt.

(Alkoholfreier) Weißwein enthält weniger Histamin als Rotwein

Durch das Auslassen der malolaktischen Gärung, entsteht bei der Herstellung von Weißwein weniger Histamin als bei der Herstellung von Rotwein. Als Resultat ist alkoholfreier Weißwein auch histaminärmer als alkoholfreier Rotwein.

Natürlich gibt es auch alkoholfreie Rotweine, die einen sehr niedrigen Histamingehalt haben. Nicht jeder Rotwein wird einer malolaktischen Gärung unterzogen.

Achte beim Kauf darauf, dass der Histamingehalt angegeben ist und lies dir die Zutatenliste genau durch. So kannst du sicher sein, dass dein alkoholfreier Wein auch wirklich histaminarm ist.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob ein alkoholfreier Wein histaminarm ist oder nicht, kannst du ihn vor dem Trinken testen.

So kannst du herausfinden ob alkoholfreier Wein Histamin enthält

Alkoholfreier Rotwein
Schmeckt alkoholfreier Wein genau so gut wie das alkoholhaltige Original? Foto: JillWellington – Pixabay

Es gibt eine relativ zuverlässige Methode, herauszufinden ob alkoholfreier Wein Histamin enthält oder nicht: Trinke einen kleinen Schluck und warte eine Weile. Wenn du keinerlei Beschwerden hast, ist der alkoholfreie Wein für dich verträglich.

Achtung: Diese Methode eignet sich natürlich nur für dich, wenn du einschätzen kannst, wie stark dein Körper auf Histamin reagiert.

Überleg dir auch gut, ob alkoholfreier Wein überhaupt das Getränk deiner Wahl ist. Denn alkoholfreier Wein hat einen geringeren Säuregehalt und ist meist süßer als konventioneller Wein. Er schmeckt also schon ein bisschen anders als „normaler“ Wein mit Alkohol.

Wenn dir der Geschmack aber zusagt, spricht natürlich nichts gegen ein paar Gläschen am Abend – oder sogar tagsüber! Ist ja schließlich alkoholfrei. 😉

Wie erkennst du, ob ein alkoholfreier Wein Histamin enthält?

Leider unterliegt der Histamingehalt von Weinen in Deutschland noch nicht der Kennzeichnungspflicht. Dementsprechend kannst du nur 100% sicher sein, dass ein alkoholfreier Wein histaminfrei ist, wenn es explizit auf dem Etikett steht oder du dich vorab beim Hersteller über den Gehalt an Histamin erkundigt hast.

Wenn du also an einer Histaminintoleranz leidest, solltest du dich am besten vor dem Kauf von alkoholfreiem Wein beim Hersteller über den Histamingehalt informieren. Denn nur so kannst du sicher sein, dass der alkoholfreie Wein wirklich nur wenig Histamin enthält oder sogar völlig frei davon ist.

Fazit: Bei einer Histaminintoleranz ist alkoholfreier Wein oft eine gute Alternative

Wenn du an einer Histaminintoleranz leidest, kann alkoholfreier Wein eine gute Alternative für dich darstellen. Alkoholfreier Weißwein enthält meistens nur sehr wenig Histamin. Bei alkoholfreiem Rotwein kann der Gehalt auch mal ein bisschen höher ausfallen.

Bedenke aber auch, dass alkoholfreier Wein bis zu 0,5% Vol. Alkohol enthalten darf und deshalb nicht immer zu 100% alkoholfrei ist. Außerdem enthält alkoholfreier Wein auch mehr Zucker als das alkoholhaltige Original, weshalb du ihn immer in Maßen genießen solltest.

Hier gilt also auch wieder: Die Dosis macht das Gift.

Jonas Eichmann

Autor: Jonas Eichmann

Als leidenschaftlicher Foody bin ich täglich auf der Suche nach nützlichen und kuriosen Foodfakten. In diesem Blog teile ich meine Erkenntnisse mit dir.

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