Wer hat Wodka erfunden? (Russland vs. Polen)

Diese Illustration zeigt vermutlich eine Wodka-Brennerei im 16. Jahrhundert. (Foto: Wikimedia Commons)

Sowohl in Russland als auch in Polen bedeutet Wodka übersetzt „Wässerchen“. Das ist natürlich kein Zufall, denn in den beiden Nationen spricht man eine Slawische Sprache.

Beide Nationen sehen im Wodka außerdem ihr Nationalgetränk und behaupten, ihn erfunden zu haben.

Aber wer hat den Wodka denn nun wirklich erfunden?

Um das herauszufinden, müssen wir einen Blick zurück in die Geschichte des Wässerchens werfen.

Wer hat den Wodka erfunden?

Der Ursprung des Wodkas liegt tief im dunklen Mittelalter. Wer tatsächlich das erste Mal ein wodkaähnliches Getränk destilliert hat, kann aber heute leider nicht mehr nachgewiesen werden.

Mündlich überlieferten Gerüchten zufolge wurde der Wodka im 8. oder 9. Jahrhundert das erste Mal gebrannt. Schriftlich erwähnt wurde er jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt. Die Frage nach dem Erfinder des Wodkas ist also noch nicht zu 100 % geklärt.

Trotzdem beanspruchen zwei Nationen für sich, den Wodka erfunden zu haben.

In beiden Ländern, Polen und Russland, blickt das Wässerchen auf eine Jahrhunderte alte Historie zurück. Auch wenn es sich heute nur noch schwer rekonstruieren lässt, wo der Wodka tatsächlich erfunden wurde, haben einige Quellen glücklicherweise die Jahrhunderte überlebt und stehen uns heute für die Recherche zur Verfügung.

Beginnen wir mit der Geschichte des Wodkas in Polen.

Ursprung des Wodkas in Polen

So wie diese frühe Wodka-Brennerei aus der Ukraine waren auch die ersten polnischen Destillerien aufgebaut. Foto: Wikimedia Commons

Die schriftlich belegte Geschichte des Wodkas (polnisch: wódka oder gorzałka) beginnt im 13. Jahrhundert mit Nikolaus von Polen (1225 – 1316) im damaligen Königreich Polen in Sandomierz.

Nikolaus war als Arzt am Hofe von Herzog Leszek II. tätig. Im Rahmen seiner Tätigkeit beschäftigte er sich mit der Destillation von Alkohol zu medizinischen Zwecken. Dies tat er an der Krakauer Universität, wo die Alkoholdestillation zu damaliger Zeit gelehrt wurde.

Dadurch, dass er seine Forschungsergebnisse niedergeschrieben hat, liefert Nikolaus von Polen uns heute die ältesten schriftlichen Belege über die Erfindung des Wodkas.

Rein offiziell wurde der Wodka also im Übergang vom 14. In das 15. Jahrhundert durch Nikolaus von Polen erfunden. Die erste schriftliche Erwähnung findet der Wodka in den Gerichtsakten von Sandomierz aus dem Jahr 1405.

Der von ihm beschriebene Wodka war jedoch, mit einem Alkoholgehalt von etwa 20 – 25 % Vol., deutlich schwächer als das Wässerchen, welches wir heute kennen. Er wurde außerdem nicht zu Konsumzwecken, sondern nur für die Herstellung von Arzneimitteln verwendet. So wurde es zumindest von Nikolaus niedergeschrieben, der übrigens ein Gegner der Schulmedizin war und als Mitbegründer der „erfahrungsheilkundlichen Ganzheitsmedizin“ gilt.

Nun gibt es aber auch in der russischen Geschichte einige Überlieferungen sowie schriftliche Belege für die Existenz von Wodka, die zum Teil noch deutlich weiter zurückliegen als die Geschichte des polnischen Wodkas. Schauen wir uns diese Belege einmal genauer an.

Ursprung des Wodkas in Russland

In diesem russichen Vodka-Museum finden sich hunderte verschiedene Sorten des russischen Nationalgetränks. Foto: Wikimedia Commons

Im Jahr 2002 feierte Juri Michailowitsch Luschkow, der ehemalige Oberbürgermeister von Moskau, den 500. Geburtstag des russischen Nationalgetränks. Ihm zufolge wurde der Wodka im Jahr 1503 in Russland erfunden.

Luschkow berief sich bei seiner Behauptung auf die historisch nachgewiesene Tatsache, dass im Jahre 1503 Wodka im Kreml gebrannt wurde.

Doch wie kamen die Russen darauf, einen eigenen Wodka aus ihrem Roggen zu brennen?

Im Mittelalter brachten italienische Kaufleute einen Branntwein nach Moskau, den sie „Aqua Vitae“ (Wasser des Lebens) nannten. Dieses Aqua Vitae wurde aus Roggen hergestellt und stieß nicht nur in Russland auf ein hohes Interesse.

Noch heute spricht man bei den Ländern Russland, Weißrussland, Ukraine, Litauen, Lettland, Estland, Polen, Finnland, Schweden und Norwegen vom sogenannten „Wodka-Gürtel“.

Den Zaren in Moskau gefiel das Wässerchen so gut, dass sie ihren Bediensteten anordneten, die Destillationstechnik zu erlernen und eine kleine Brennerei zu erbauen. Bis dato musste der Branntwein nämlich noch für teures Geld aus Europa importiert werden.

Zur damaligen Zeit galt Alkohol noch als äußerst gesund und wurde als Arzneimittel beispielsweise gegen Erkältungen und niedrigen Blutdruck eingesetzt – natürlich nur bei denen, die es sich leisten konnten.

Weil Wodka aus den gleichen Zutaten wie Brot hergestellt wird, wurde er im mittelalterlichen Russland auch als Brotwein bezeichnet. (Foto: Arcaion – Pixabay)

Am 10. Oktober 1503 wurde dann erstmals Wodka im Moskauer Kreml destilliert. Dieser „Urwodka“ wurde zunächst nur in kleinen Mengen produziert und war ausschließlich den Mitgliedern der kaiserlichen Familie vorbehalten.

Es gibt jedoch auch noch eine weitaus ältere schriftliche Überlieferung über ein wodkaähnliches Getränk aus Russland. In der Chronik von Wjatka aus dem Jahr 1174 wurde nämlich eine Vorform des heutigen Wodkas beschrieben. Da hier aber noch nicht von der Bezeichnung „Wodka“ die Rede ist und das beschriebene Getränk auch nur entfernt der heutigen Spirituose ähnelte, wird diese Quelle nicht als Erfindung des Wässerchens anerkannt.

Die polnischen Gerichtsakten von Sandomierz aus dem Jahr 1405 bleiben somit die älteste schriftliche Erwähnung des Wodkas.

Das „Wodkagate“ der 1970er Jahre

Mitten im kalten Krieg, in der zweiten Hälfte der 70er Jahre, hat die Sowjetunion sich vorgenommen, den westlichen Markt mit ihrem „Wässerchen“ zu überfluten. So sollten die Staatskassen gefüllt und die sowjetische Kultur in die Welt getragen werden. Wodka galt schließlich als sowjetisches Nationalgetränk.

Gleichzeitig beanspruchte Polen, genauer gesagt Westpolen, den Markennamen „Wodka“ für sich. Schließlich sei Wodka in Polen erfunden worden und deswegen ein urpolnisches Getränk. Ostpolen gehörte zum damaligen Zeitpunkt der Sowjetunion an.

Die Yankees glaubten den Polen und verweigerten der Sowjetunion mit ihrem Vodka den amerikanischen Markt. Das kurze Abenteuer des Kapitalismus war für die kommunistische Sowjetunion somit schneller vorbei als es angefangen hat.

Woher kommt Wodka Gorbatschow?

Der Wodka Gorbatschow stammt ursprünglich aus dem russischen St. Petersburg. Hier hat Leontowitsch Gorbatschow das Wässerchen bereits vor dem ersten Weltkrieg gebrannt.

Im Zuge der Februarrevolution und dem Ende der Zarenzeit floh Leontowitsch mit seiner Familie nach Berlin. Hier hat er die Produktion seines Wodkas im Jahr 1921 wieder aufgenommen. Anfänglich beglückte er vor allem seine Landsleute, die anderen russischen Einwanderer, mit seinem Wässerchen.

Kurze Zeit später fanden aber auch die Deutschen Gefallen an der klaren und geschmacksneutralen Spirituose.

Was hat das mit der Herkunft des Wodkas zu tun? Ohne Leontowitsch Gorbatschow würde der Wodka in Deutschland vermutlich noch immer ein Nischendasein fristen und wir würden uns gar nicht groß mit der Geschichte des Wässerchens befassen.

Mittlerweile gilt der Wodka Gorbatschow als einer der meistverkauften Wodkas in Deutschland. Die große Beliebtheit hat er sicherlich nicht zuletzt seinem günstigen Preis zu verdanken.

Kommt Wodka aus Russland oder Polen?

  • Bis heute kann nicht abschließend geklärt werden, wer den Wodka tatsächlich erfunden hat und wo er ursprünglich herkommt.
  • Die ersten schriftlichen Beweise sind die Gerichtsakten von Sandomierz aus dem Jahr 1405. Diese deuten darauf hin, dass die Wiege des Wässerchens in Polen liegt.
  • Mündlichen Überlieferungen zufolge wurde der Wodka jedoch bereits im 8. oder 9. Jahrhundert in Russland gebrannt.

Fest steht: Das Wässerchen hat seit mehreren Hundert Jahren einen festen Platz im Alltag der slawisch-stämmigen Gesellschaft und wird diesen wohl auch so schnell nicht verlieren.

Der geschmacksneutrale Wodka hat sich aber auch über die Slawen hinaus zu einer äußerst erfolgreichen Spirituose entwickelt.

Die Wodkadestillerie Smirnoff wurde im Jahr 1886 in Moskau gegründet und gehört heute zu dem britischen Spirituosenkonzern Diageo. Mit einem Absatz von gewaltigen 207 Millionen Litern im Jahr 2020, ist die aus Russland stammende Marke „Smirnoff“ nicht nur der meistverkaufte Vodka, sondern gleichzeitig auch die meistverkaufte Premium-Spirituose der Welt.

Insgesamt exportiert Polen, mit einem Marktanteil von etwa 7 %, mittlerweile mehr Wodka als Russland, mit einem Marktanteil von etwa 6,6 %. Schweden (20 %) und Frankreich (18 %) haben die beiden Mutterländer des Wässerchens sogar bereits überholt.

Das gilt allerdings nur für den Export und sagt nichts über die Beliebtheit innerhalb der beiden Nationen aus. Auch wenn pro Kopf in beiden Ländern mittlerweile mehr Bier und Wein getrunken wird, gilt der Wodka nach wie vor für beide Nationen als Nationalgetränk.

Quellen:

http://www.russlandinfo.de/informationen/wodka.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Slawen

https://www.mittelalter-lexikon.de/wiki/Nikolaus_von_Polen

https://de.wikipedia.org/wiki/Wodka_in_Polen

https://de.rbth.com/geschichte/84243-wieviel-tranken-russische-zaren-alkohol-romanows

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/328421/umfrage/absatz-von-smirnoff-weltweit/

Jonas Eichmann

Autor: Jonas Eichmann

Als leidenschaftlicher Foody bin ich täglich auf der Suche nach nützlichen und kuriosen Foodfakten. In diesem Blog teile ich meine Erkenntnisse mit dir.

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